Hinter den Bauzäunen (Teil 1/2)

Ein weiser Mann sagte mal „ConQuest ist die Kunst des Möglichen mit dem Verfügbaren“. Ich zitiere diesen Satz immer wieder gerne, wenn es um Kulissen, Springer, Requisite oder einfach nur um einen IT-Text geht. Letzten Endes repräsentiert er sehr viel meiner Arbeit auf dem ConQuest: Dinge möglich machen mit dem, was wir dafür haben. Ihr werdet jetzt vielleicht denken: „Klar, is ja einfach, ihr habt ja alles vorbereitet.“ Und ich muss dann sagen: Ja, wir haben vorbereitet was geht. Aber bekanntermaßen überlebt kein Plot den ersten Spielerkontakt. Und trotz der Tonnen (kein Scherz!) an Kulisse und Requisite kommen wir immer an den Punkt, wo wir improvisieren müssen. Und da beginnt die Kunst.

Das Meiste der Arbeit, die letzten Endes den Zauber des ConQuests erzeugt, findet bei uns hinter Bauzäunen und Bastmatten statt. Auf der Veranstaltung lassen wir euch normalerweise nur das Ergebnis sehen. Damit ihr aber auch mal einen Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen bekommt, schreibe ich diesen Blogeintrag. Willkommen hinter den Bauzäunen…

Bauzaun

Paletten

Die Hauptkulisse allein benötigt mehrere übergroße Paletten und 2 Sattelzüge zum Transport

Zu Beginn jeder Veranstaltung steht natürlich die Logistik. Für alle die es noch nicht wissen: Auch wenn das Herz des ConQuest in Brokeloh schlägt, sein Kopf sitzt in Regensburg; Genauso die Fertigung für unsere Kulissen und Requisiten. Wie ihr euch denken könnt stellt uns das vor ein rein logistisches Problem: Nämlich alles, was wir an Requisiten und Kulissen auf der Veranstaltung brauchen gut 600 km durch die Republik zu karren. Das Zauberwort lautet hier „Logistik“, unser Freund ist der Sattelzug. Wer uns fleißig bei Facebook folgt wird wissen, dass wir mittlerweile 5 Stück davon brauchen, um unser „Inventar“ nach Norden zu verfrachten, verpackt auf 218 Palettenstellplätzen.

Nun kommt der unglaubliche Fakt: Trotz dieser enormen Menge an Zeug, die wir mitnehmen, bleibt dennoch einiges in Regensburg zurück. Jedes Jahr wühlen wir uns durch das Requisitenlager, um all das raus zu suchen, was wir für die diesjährige Veranstaltung an Material brauchen. Um unseren eigenen Bedarf überhaupt erst zu ermitteln sind wir mittlerweile auf Technik angewiesen: All unsere Requisiten sind mit Bild, Stückzahl, aber auch Kosten für die Neuanschaffung in einem Webshop gelistet, in dem unsere Autoren buchen können, welchen Schatz aus unseren Hallen sie für ihren Plot benutzen wollen. Nur das, was wir nicht schon haben, produzieren wir mittlerweile neu, um unnötigen Müll und Verschwendung zu vermeiden. Und nach 10 Jahren ConQuest findet sich da so mancher Schatz, der auf seinen Einsatz wartet.

Zusammen mit den Bestelllisten aus dem Plotshop finden dann auch einige andere Gegenstände ihren Weg in die Packkisten – nämlich alles, von dem wir denken, dass es spontan noch gebraucht werden könnte. Die wahre Herausforderung für unseren Job ist nämlich nicht, alles dabei zu haben was wir eingeplant haben; die Kunst ist auch an all die Dinge zu denken, die wir nicht planen können. Kostüme für spontane Springereinsätze, Requisiten für in letzter Minute abgeänderte Plots, Inszenierungsbedarf… Und wenn wir das Lager wieder verlassen bleibt uns nur die Hoffnung, an alles gedacht zu haben. Denn dann sehen wir unsere eigenen Requisiten erst in Brokeloh wieder…

Requisite

Die Requisite – bei uns verbleiben zum Schluss nur Springerkostüme und Dinge zum Improvisieren.

Nachdem es einen langen Weg in Kisten auf Paletten in LKWs hinter sich gelegt hat, finden sich unsere Requisiten letztendlich in Brokeloh wieder, in unserem Requisiten-Zelt. Noch liegt hier alles gebündelt zusammen, noch nichts ist verteilt oder an seinem Bestimmungsort. Nun beginnt das große Sortieren erneut: Jede Plot-Location, jedes Lager braucht nun die Requisiten, die sie bestellt haben, eine Aufgabe, die uns ganze 2 Tage in Beschlag nimmt. Zusammen mit den Kulissen (die bis zu ihrer Verteilung vor dem Requisitenzelt lagern) finden nun all die Gegenstände, die euch später in Plot begegnen können, ihren Weg hinaus auf’s Feld. Zurück bleiben nur Kostüme für Springer, Reservegegenstände und einige Dinge, die wir zum Improvisieren brauchen.

Naehen

Manchmal muss eben noch nachgebessert oder eben neu gebaut werden, wenn etwas fehlt.

Was tun wir allerdings, wenn wir wirklich mal etwas brauchen? Nun, dann muss es her. Denn unser Requisitenzelt beinhaltet auch eine eigene kleine Werkbank, die herhalten muss, wenn etwas wichtiges fehlt. Dann wird die Nadel, der Cutter, der Pinsel geschwungen, damit letzten Endes das fehlende Stück vor Ort noch entsteht. Ähnlich verhält es sich übrigens mit IT-Texten. Das ganze ConQuest über rattert bei uns der Drucker, um frische IT-Schriftstücke für euch zu produzieren, die ihr im Spiel dann in die Hände bekommen könnt.

Die Aufgaben, die sich einem stellen, wenn es dann darum geht, den Plot auf der Veranstaltung Realität werden zu lassen erfahrt ihr dann in Teil 2.

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2 Gedanken zu “Hinter den Bauzäunen (Teil 1/2)

  1. Irgendwie habe ich ein immer wiederkehrendes Deja-Vu, wenn ich den Text lese…

    Ich bin selbst Fachkraft für Veranstaltungstechnik, viel als Systemtechniker im Bereich Licht und Video im Einsatz, auch als Operator, und stehe auf jedem Job immer vor ähnlichen Herausforderungen (Es gibt keine Probleme!), nur, dass ich selbst selten mit in der Planungsphase mit drin stecke, mich nicht um Logistik kümmern muss (Meistens jedenfalls.) sondern vor Ort mit dem arbeiten muss, was ich bekomme oder nicht bekomme.

    Und genau das ist jedes Mal die Herausforderung! Und für mich eben auch der Anreiz.

    Zum Glück arbeite ich im Berufsleben „nur“ mit der Technik, für den „Kulissenbau“ gibt es bei uns Messebauer. Auf dem COM schwinge ich hingegen dann schon mal selbst den Hammer oder den Akkubohrschlagschrauber, errichte Palisade, baue Torhäuser und Türme. Das ist für mich tatsächlich Urlaub und macht mir unglaublich viel Spaß! (Weil es sich eben von meinem Berufsbild unterscheidet.)

    Zurück zum Text!

    Der erste Teil des Artikels gibt einen sehr schönen Einblick in Euren COM-Alltag, es bleibt zu hoffen, dass Ihr auch gelegentlich die Wertschätzung erhaltet, die Euch gebührt, besonders jenen fleißigen Helfer, die eben nicht im Rampenlicht stehen sondern nur dafür da sind, andere „Protagonisten“ gut aussehen zu lassen!

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    • Ja, die Herausforderung ist es auch jedes mal, die mich motiviert 😉
      Und ich hoffe meine fleißigen Helferlein fühlen sich auch ausreichend gewertschätzt, vor allem wenn ich ihre Arbeit mal ein wenig beleuchte. Hinter den Bauzäunen sieht man nämlich nur selten Kameras 🙂

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