Du wirst doch dafür bezahlt!

oder: Ich hab aber dafür bezahlt

Wenn ich mich mit Arbeitskollegen über unsere Freizeitaktivitäten unterhalte, dann fließt früher oder später von meiner Seite aus ein, dass ich an einer „internationalen Großveranstaltung für mittelalterliches Improvisationstheater“ mitarbeite. Das ist wohl mein größtes Hobby. Ein schönes Hobby, wie mir vor ein paar Tagen erst jemand gesagt hat. Aber es ist nicht mehr als dies. Meine Arbeit und mein Privatleben nehmen deutlich mehr Zeit in Anspruch- was auch gut so ist.

Leider ist das nicht für alle unsere Teilnehmer verständlich. Ich habe jetzt schon mehrfach gehört, wie jemand zu mir sagte „Aber du musst das jetzt machen. Du wirst doch dafür bezahlt“. Erschreckenderweise denken sogar manche Teammitglieder, dass man für die ConQuest-Arbeit im Vorfeld bezahlt wird. Nur zur Klarstellung: Nein, wird man nicht. Außer Dankbarkeit zählt neuerlich als Bezahlung.
Sicher, die Büro-Mitarbeiter werden entlohnt. Sonst könnte eine Veranstaltung dieser Größe auch gar nicht gemacht werden- da fehlt die Logistik und soetwas. (Ich gebe zu, ich hab nur eine geringe Ahnung von dem, was die Büromitarbeiter des Live-Adventure alles tun. Ich weiß nur: Es ist viel. Und ich wills nicht machen).
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So geschah es im Jahr 2008, dass ich mir mal eine Woche Urlaub gönnte. Als ich wieder daheim war fand ich, wie immer, viele Emails in meinem Postkasten. Doch irritierenderweise waren sehr viele von ein und derselben Person.

Email 1 enthielt eine Frage
Email 2 + 4 jeweils Ergänzungen zu der Frage bzw. umfassende Erläuterungen
Email 3 enthielt die Frage, ob ich die email bekommen habe
Email 5 forderte mich auf zu antworten
Email 6 fragte fordernd, warum ich noch nicht geantwortet habe

Ich antwortete, dass die Bearbeitung sich aufgrund privater Umstände etwas verzögern würde (da ich eben noch mehr im Eingang liegen hatte und die Frage auch nicht ganz einfach war).
Email 7 enthielt die Aussage, dass es eine Unverschämtheit sei, dass man solange auf die Antwort warten müsse, wo die Frage doch so wichtig wäre (war sie nicht. Es war Januar- also noch gut ein halbes Jahr Zeit). ICH WERDE JA SCHLIESSLICH DAFÜR BEZAHLT ZU JEDER ZEIT ZU ANTWORTEN!

Man liebe ich mein Hobby, dass ich trotzdem noch geantwortet habe. Sogar innerhalb von 2 Tagen. Also 7 Tage nach Eingang der ersten email.
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Im Vorfeld zum ConQuest 2008 klingelte irgendwann mal zu später Abendstunde mein privates Festnetztelefon. Die Nummer gebe ich Teilnehmern für gewöhnlich nicht. Es war ein mir unbekannter Teilnehmer am Apparat, der mich ungeniert fragte, wie der Plot im kommenden Jahr sein würde, er wäre ja so neugierig.
…Meine Antwort wird hiermit zensiert….
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Auf dem ConQuest 2009 kam da ein weiteres Merkmal zu. Die Aussage „Ich hab aber dafür bezahlt“. Wir reden im folgenden nicht von einem Fall oder einer Person, diese oder ähnliche Aussagen traten gehäuft auf.

Ein NSC sagt zu einem Spieler „Dazu brauchst du Text sowieso“.
Der Spieler nickt, geht zur Spielleitung und sagt „Wo ist Text sowieso?“
Die SL sagt „Den musst du finden. Das ist Teil des Spiels, also deine, nicht meine Aufgabe!“
Der Spieler sagt: „Ich hab aber dafür bezahlt, dass du mir das sagst!“
…es folgt eine längere Erklärung durch die SL was Rollenspiel und Larp bedeutet, und was die Leistungen des Live-Adventure sind, und was nicht.

Eine SL steht in der Dusche/Toilette. Ein Teilnehmer redet auf die SL ein, stellt irgendwelche Fragen. Die SL sagt „Ich möchte dir das gerade nicht beantworten. Ich möchte mal 5 Minuten meine Ruhe, ich habe gerade Pause und sitze auf dem Klo“. Spieler „Ich hab aber dafür bezahlt, dass du mir das sagst“

Ein Teammitglied läuft durch ein Lagertor. Ein Teilnehmer sagt „Ey, du. Was ist jetzt damit (und zeigt auf einen Müllsack am Tor)“. Das Teammitglied schaut etwas irritiert und fragt, was damit sein sollte. Der Teilnehmer fuchtelt mit den Armen und erklärt, dass er ja schon vor Stunden gesagt habe, dass der Beutel voll sei und weg müsste. Das Teammitglied fragt, ob das sein Müll in dem Beutel wäre. Der Teilnehmer nickt. „Dann räumst du den Beutel auch selbst vorne in den Container“. „Aber ich hab doch dafür bezahlt!“. Das Teammitglied zieht eine Rolle Müllbeutel kommentarlos aus der Tasche, streckt einen Beutel dem Teilnehmer entgegen. „Nein, hast du nicht.“

Ein Teammitglied, läuft morgens vom SL-Dorf zum Toilettencontainer. Er trägt nur einen Schlafanzug. Eigentlich könnte man davon ausgehen, dass durch das Outfit klar ist, dass diese Person gerade nicht für Fragen zur Verfügung steht. Das hält die Teilnehmer aber nicht davon ab, trotzdem zu fragen, ob man ein Ritual abnehmen könne. ….Aussagen des Teamlers die folgten sind hiermit zensiert….

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