Beeinträchtigt auf dem ConQuest

Zum ConQuest 2008 hatte sich bei uns eine junge Frau gemeldet, die meinte sie hätte ein paar Probleme beim Laufen, ob dies ein Problem sei. Wir verneinten dies, gaben ihr ein paar Tipps und wünschten ihr viel Spaß auf der Veranstaltung. Doch vor Ort stellten wir fest, dass wir hier nicht von ein „paar Laufproblemen“ sondern einer  Behinderung gesprochen hatten. Nun konnten wir schlecht hingehen und die junge Frau vom Gelände schmeißen- sie wäre nicht nach Hause gekommen. Und sie hatte eine wirklich weite Anreise.

Die Gruppe, die sie in ihrem zelt beherbergen wollten schmiss sie nach kurzer Zeit heraus. So humpelte sie vors SL-Zelt. Die SLs verständigten die Koordination und es wurde versucht dem Mädel trotzdem noch eine schöne Zeit zu gönnen. Gar nicht so einfach! Doch irgendwie hat es ihr Spaß gemacht, wurde von uns umsorgt, damit sie nicht verdurstet und verhungert, ein Zeltdach überm Kopf hat und nicht in eine „gefährliche“Schlachtensituation kommt. Leider mussten wir dazu ständig ein ganzes Teammitglied auf ihre Betreuung verwenden- ein Umstand der alle anderen Teilnehmer zeitweise nicht die Aufmerksamkeit erfahren lies, die sie verdient hatten.

Direkt im Anschluss an das Con meldete die Frau sich wieder bei uns und wollte eine Karte für das ConQuest 2009 kaufen. Es wurde viel diskutiert, ob und unter welchen Umständen man zulassen könnte, dass sie die Veranstaltung besucht. Denn so wie im Vorjahr konnte das nicht klappen. Immer dann, wenn niemand auf sie Acht gab, brachten besorgte Teilnehmer die junge Frau zu den Sanitätern, die irgendwann natürlich damit nicht mehr einverstanden waren.

Da ich beruflich mit behinderten/beeinträchtigten Menschen arbeite, und die Versuche der jungen Frau sich selbst in die Gesellschaft zu integrieren, nur gut heißen konnte, stimmte ich zu mich um eine Betreuung zu kümmern.

Ich unterhielt mich also mit der jungen Frau und machte ihr unsere Vorstellungen von einer Realisierbarkeit klar (ich hab ein Glück da recht viel Geduld). Natürlich sollte sie sich nicht bemuttert fühlen, und wünschte sich auch ein paar Dinge, die eine Betreuungsperson erfüllen musste. Wir einigten uns also gemeinsam auf einen Konsens.

Und dann ging die Sucherei los. Der Behindertengrad war nicht groß genug, sodass eine Begleitperson vom Gesetzgeber/Krankenkasse nicht bezahlt werden würde. Also musste ich jemanden finden, der ehrenamtlich aufs ConQuest kommt und nur zur Unterstützung díeser Frau da ist- natürlich würden dem Helfer dabei keine Kosten entstehen, das hatte ich vorher geklärt.

Ich versuchte es erst bei örtlichen Sanitäter& Erste-Hilfe-Organisationen, wurde aber jedes Mal enttäuscht. Ich fragte in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, doch niemand sagte fest zu. Nur ein paar lose Zusagen. Dann aber kam mir die zündende Idee. Ich rief im Rathaus in Brokeloh an, und fragte ob es dort eine Art Nachbarschaftshilfe gäbe. Dort verwies man mich an die örtlichen Kirchengemeinden. Und tatsächlich, die Tochter eines Pfarrers hatte Interesse und wollte nur noch abklären, ob sie Zeit dafür hätte. Ich bekam eine lose Zusage.

Am gleichen Abend erzählte mir die junge Frau, dass ein Bekannter sie begleiten würde, wenn ich einverstanden wäre (Nur zur Info: die Familie und Freunde schieden bis dahin aus, weil sie es nicht wollte). Nun gut, also ein Bekannter. Der weiß wenigstens was für Probleme sie hatte. Ich telefonierte mit ihm, und machten den „Deal“ fest. Ich sagte der Pfarrerstochter ab, entschuldigte mich, dass wir so viele Umstände gemacht haben.

Und kurz vor dem ConQuest, nachdem alles abgeklärt war und wir sogar einen Shuttle-Service vom Bahnhof organisiert hatten, sagten die zwei mir, dass sie sich gestritten hätten und nicht mehr miteinander aufs ConQUest fahren könnten. Nun hatte ich natürlich alle meine Möglichkeiten bis dahin abgesagt. Die Zeit war zu knapp, ich schaffte es auch aus purem persönlichen Zeitmangel nicht mehr, mich um einen Ersatz zu kümmern.

Und so mussten wir leider und schweren Herzens entscheiden, dass wir ohne Begleitperson eine Teilnahme nicht verantworten können.

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Falls es jetzt kritische Stimmen gibt, die sagen, dass Behinderte nichts auf dem ConQuest zu suchen haben, muss ich dies entschieden ablehnen. Sofern die Rahmenbedingungen stimmen, und man kann sie passend machen, sollte jedem Menschen das gleiche Recht an der Teilnahme zustehen. Doch eben nur, wenn die Bedingungen stimmen. Denn eines geht natürlich nicht: Das wir Teamler zur Betreuung der Beeinträchtigten abstellen. Denn dann fallen viele tausend andere Teilnehmer hinten herunter.

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Ein Gedanke zu “Beeinträchtigt auf dem ConQuest

  1. Ich kann nur zustimmen, dass es zu begrüßen ist, wenn auch Menschen mit Behinderung an Cons teilehmen können – aber eben nur, wenn die Betreuung gewährleistet ist. Auch Minderjährige müssen sich ja selbst um eine „Betreuung“ kümmern.

    Dabei muss man aber auch bedenken, dass der Integrationsversuch der betreffenden Person auch andere Spieler in ihrem Spiel stören kann. Wenn sich eine Person ins Lager setzten, nur am Reden ist (davon meist OT) und aus Mangel an anderen Bezugspersonen „klammert“ ist das ärgerlich, egal ob die Person behindert ist oder nicht. Nur ist die Hemmschwelle für klare Worte doch im vorliegenden Fall einfach höher.

    Ich kann bis heute nicht verstehen, wie die Familie die betreffende Person allein zum CoM 2008 hat fahren lassen können und meine Hochachtung für die Person der SL, welche die Betreuung übernommen hat, nachdem wir aus dem Hospital im Freien Lager einfach nicht mehr weiter wussten, weil sie sich scheinbar uns anschließen wollte.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Pro Behinderte im Larp, aber auch nur, wenn die Bedingungen bzw. Betreuung stimmt.

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