Interview: Wimmer-live-art

Das ConQuest (wie auch alle anderen Live Adventure Events der Mythodea-Kampagne) ist inzwischen viel zu groß, als dass wir alle Projekte im eigenen Team umsetzen könnten. Das ganze Jahr über wird genäht, geschnitzt, geklebt und konstruiert. Gezeichnet, geraspelt, gegossen und kaschiert. Egal ob mit Styropor, Stoff, Worbla, Schaumstoff, Latex, Metall oder Farbe – um unsere phantastische Welt ins richtige Licht zu rücken ist uns kein Weg zu lang!

Dabei werden wir seit Jahren von einigen Handwerkern begleitet, die wir Euch in einer Interview-Serie etwas genauer vorstellen wollen. Den Anfang macht dabei die Rüstungsschmiede „Wimmer-live-art“ von Michael Wimmer und Nicolina Schöfer-Wimmer: 

Fabian Geuß: Dann wollen wir mal – also, wer versteckt sich alles hinter „Wimmer-live-art“ und wie kam es dazu?

Michl: Ich war 1989 auf meinem ersten Larp und bin seit dem von diesem Hobby begeistert. Damals war es noch sehr schwierig überhaupt an Ausrüstung zu kommen, ich weiss noch als ich durch Zufall ein löchriges Kettenhemd für 400 Mark in einem tschechischen Antiquitätenladen fand, und daher einer der ganz wenigen war die Metall am Körper trugen. Man musste sich alles irgendwie selber zusammenbasteln. Ein paar Jahre später hatte ich mir eine maßgeschneiderte Rüstung aus der Tschechei geleistet, die zwar ganz schön teuer war, dafür aber leider in keinster Weise maßgeschneidert. Ich konnte keinen Schritt laufen ohne höllische Schmerzen zu erleiden und mit dem Helm sah ich aus wie ein Alien mit Wasserkopf… Da hatte ich das erste Mal angefangen mich mit Rüstungsbau zu beschäftigen.

Nicolina: Die Entscheidung Wimmer-live-art zu gründen war dann aber eine gemeinsame gewesen. Neben dem kreativen Teil der Arbeit fällt bei einer Selbstständigkeit jede Menge Verwaltung, Buchhaltung und etliches anderes an. Obwohl ich auch mit in der Werkstatt stehe und meine Ideen und mittlerweile auch eigene Projekte mit einfliessen lasse, hat Michl noch immer den Hauptanteil in der Werkstatt zu leisten und da brauch er jemanden, der ihm den Rücken frei hält.

Fabian: Das war ein langer Weg von der Tschechei bis Wimmer-live-art… 

Michl: Als Hobbybastler bei der Düsterbrook-Orga lernte ich damals die Jungs von Hammerkunst kennen und war dort dann ab Ende 1997 hauptberuflich Rüstungsschmied. Bei Hammerkunst waren das Hauptsächlich standartisierte Rüstungslinien, aber immerhin auf Maß gefertigt. Bei Mytholon hatte ich mich dann mehr auf Sonderanfertigungen spezialisiert, denn Standard-Rüstungen gabs da genug. Seit 2010 bin ich mit meiner Frau zusammen unter Wimmer-live-art tätig. Wir machen eigentlich fast nur noch Unikate, die genau auf den Kunden und dessen Charakter zugeschnitten sind. Nebenbei entstehen aber auch immer wieder Projekte aus eigenen Ideen, die wir dann z.T. auch zum Verkauf anbieten.

Fabian: Gibt es ein Projekt dass Ihr für uns umgesetzt habt, auf das Ihr besonders stolz seid?

Michl: Zu Hammerkunst Zeiten, aber auch bei Mytholon sind einige Prototypen für NSC-Deals von mir konzipiert und realisiert worden, unter anderem für das Untote Fleisch und auch das Schwarze Eis. Besonders stolz sind wir aber auf Shey ksun Aret, eine der Herolde der Spiegelwelt, die dann schon unter Wimmer-live-art entstanden ist und wirklich etwas Besonderes ist. Desweiteren sind natürlich einige Hauptfiguren, sowohl auf NSC, als auch auf SC Seite aus unserer Schmiede.

Fabian: Seit wann seid Ihr auf dem ConQuest mit dabei?

Michl: Ich bin vom ersten ConQuest an mit dabei und habe seither auch keines verpasst. Leider war es von Anfang an geschäftlicher Natur, weshalb ich selten, wenn überhaupt, zum Spielen kam. In den vielen Jahren hat sich natürlich einiges verändert. Sowohl unter Hammerkunst, als auch unter Mytholon, und vor allem jetzt unter Wimmer-Arts hatten wir im Zelt ein paar Schaustücke dabei und eine kleine Notfallschmiede mit um die dringendsten Reparaturen durchführen zu können. So eine Art Boxen-Stop halt. Hauptsächlich sind wir aber dafür da, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und vielleicht auch schon das ein oder andere Projekt zu besprechen. Als geborener Regensburger war es für mich durchaus ein ziemlicher Ritt nach Brokeloh, aber ich hatte irgendwie immer das Gefühl nach Hause zu fahren. Lustigerweise wohnen und arbeiten wir mittlerweile tatsächlich nur 60 km von Brokeloh entfernt.

Fabian: Als Produzent von LARP Equipment habt Ihr sicher auf viele Aspekte des Hobbys eine ganz eigene Sicht. Was seht Ihr als die gegenwärtig wichtigste Entwicklung beim Thema „Ausrüstung“ im Liverollenspiel?

Nicolina: Ich glaube, dass Designs aus Spielen und Filmen mittlerweile einen sehr sehr großen Einfluß auf die Gestaltung der Gewandungen haben. Das war früher auch noch nicht so ausgeprägt (man hat einfach mal irgendwo angefangen und sich dann was zusammengebastelt). Als Metall-Handwerker, die die Ideen dann in real umsetzen sollen, stehen wir z.T. vor ziemlichen Herausforderungen und manchmal auch Enttäuschungen, da nicht alles, was sich die Designer so ausdenken auch real funktionieren kann. Das ist beim Cosplay etwas einfacher, was sich ja auch steigender Beliebtheit erfreut. Es gibt sicher noch Leute, die echtes Metall bevorzugen, aber wie zukunftsträchtig das ist, kann ich schwer beurteilen. Echtes Metall holt einen gern, auch wenn optisch meines Erachtens unschlagbar, mal auf den Boden der Tatsachen zurück. Wohin gegen Schaumstoff oder andere Kunststoffe sehr verzeihlich sind was Proportionen und Gewicht betrifft.

Michl: Im laufe der vergangenen Jahre gab es ein gesundes Wachstum der Larp Hersteller und Händler um den steigenden Bedarf zu decken. Ich glaube aber, dass zumindest im Rüstungsbereich (die anderen Bereiche kann ich nicht einschätzen), das Angebot inzwischen höher ist als die Nachfrage. Für den Kunden ist das kurzfristig gesehen eine angenehme Situation, da er aus einer Vielzahl günstiger Produkte auswählen kann. Langfristig wird aber wohl die Individualität schwinden, und es wird wie in jeder anderen Branche eine Handvoll Grosskonzerne geben die das Angebot und den Preis bestimmen.

Fabian: Sehr guter Punkt… Seit mehreren Jahren liest und hört man immer häufiger die Kritik, dass der durchschnittliche Anspruch an Gewandungen und Ausrüstung immer höher wird und dadurch der Einstieg in das Hobby immer teurer…

Nicolina: Ich finde der Einstieg in das Hobby ist günstiger denn je geworden, tolle Gewandungen und Rüstungen zu kleinen Preisen. Auch die Larp-Flohmärkte ermöglichen schon so Einiges und eine Grundausstattung kostet in jedem Hobby. Früher musste man sich noch auf den viel teureren Mittelaltermärkten eindecken oder aber selbst tätig werden. Und auch Materialbeschaffung war alles andere als günstig. Generell finde ich es gut, wenn die Gewandungen stimmig und toll anzusehen sind und sich eben die kreative Vielfalt der Leute zeigt. Und da spielt ganz essentiell mit rein, was Stand und Rolle deines Charakters sind. Das darf man gerne an der Kleidung sehen und man muss ja auch nicht als Baron von und zu ins Hobby einsteigen…

Fabian: Schön und gut, aber gibt es nicht die berüchtigte „Gewandungsspirale“ – von Jahr zu Jahr werden die Kostüme (auch auf dem ConQuest) immer extravaganter und damit auch teurer. Dies wurde natürlich durch die Großhändler gefördert aber gerade bei Rüstungen tragen auch die Schöpfer von Einzelstücken zu dieser „Eskalation“ bei auf Grund ihrer Exklusivität und Personalisierung, oder?

Michl: Ich liebe es mir schöne Dinge anzusehen. Daher bin ich auch abseits des Geschäfts dafür, dass die Qualität und der Anspruch steigt, zumal dadurch ja auch das Spielgefühl steigt und man viel leichter in die Welt eintauchen kann. Das muss aber eben nicht heissen dass jeder ein Vermögen dafür ausgeben muss. Es gibt ja auch heutzutage noch die Möglichkeit sich selber was zu basteln, was für mich irgendwie auch zum Hobby LARP dazu gehört. Und ausserdem bietet die günstige Stangenware eine solide Basis die man dann ja nach und nach modifizieren und mit Einzelstücken erweitern kann. Im Vergleich zu manch anderem Hobby bin ich sogar der Meinung dass selbst Neueinsteiger noch relativ günstig wegkommen.

Fabian: Vielen Dank für Eure Zeit und das Gespräch! 

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