Interview: angemessen.

Das ConQuest (wie auch alle anderen Live Adventure Events der Mythodea-Kampagne) ist inzwischen viel zu groß, als dass wir alle Projekte im eigenen Team umsetzen könnten. Das ganze Jahr über wird genäht, geschnitzt, geklebt und konstruiert. Gezeichnet, geraspelt, gegossen und kaschiert. Egal ob mit Styropor, Stoff, Worbla, Schaumstoff, Latex, Metall oder Farbe – um unsere phantastische Welt ins richtige Licht zu rücken ist uns kein Weg zu lang!

Nachdem wir nun schon mit Schmieden, Thermoplast Künstlern und Schaumstoff-Akrobaten gesprochen haben wird es höchste Zeit für den Kostüm-Bereich das Material Stoff. Hierfür sprach ich mit Anna Max vom Atelier angemessen.

Fabian Geuß: Hallo Anna! Fangen wir mit der Pflichtfrage an: Wer ist angemessen. und seit wann gibt es das Atelier?

Anna Max: Bei angemessen. gibt es mich- Anna Max, 33, Schneidermeisterin und staatl. gepr. Modegestalterin. Außerdem aktuell eine Mitarbeiterin, Luise.
angemessen. existiert seit 2006, genäht habe ich auch schon vor und während meiner Ausbildung. Das Atelier in Wurlitz habe ich 2009 eingerichtet. Hauptsächlich arbeite ich im historisch- fantastischen Bereich- dicht gefolgt von Trachten, Braut- und Anlassmoden und Alltäglichem.

Fabian Geuß: Ich glaube kein anderer aus dieser Interview-Reihe hat so viele einzelne Teile für uns gefertigt wie Du. Aber gab es trotzdem ein Projekt,  auf das du besonders stolz bist?

Anna: Mein bisheriger Liebling war die Ausstattung von Sim Sin’Karaleths. Bei diesem Projekt konnte ich mich vom Aussuchen und Handfärben des Stoffes bis hin zu den detaillierten Perlen- und Metallstickereien so richtig austoben. Nach wie vor ist dieses Kostüm eines meiner all timeFavourites!

Fabian: Die meisten kennen Dich sicher als „Igraina, Laird of Barrenbay“. Gab es für Dich ein ConQuest vor dem Untoten Fleisch?

Anna: Mein erstes ConQuest fand 2007 statt, ich wurde von meiner Gruppe genötigt und hielt nicht besonders viel von Großcons. Ich war Spieler und habe einfach keinen Anschluss gefunden. Im Jahr darauf bin ich als NSC gefahren und war bei den Viinshar ;-).
Danach wurde ich gefragt ob ich nicht zum Untod wechseln möchte und seither spiele ich mit großem Spaß Igraina – ebenfalls eine Rolle deren Ausstattung mir große Freude bereitet. Da sie aber nur auf Großcons spielbar ist, habe ich mit der Zeit noch einen Spielercharakter bei den Tivar Kharr’assil angefangen und bin auf dem Chroniken und auf Siedlercons als SL unterwegs.

Fabian: Durch Deine Kostüme hast Du mehrere NSC Rollen auf dem ConQuest nachhaltig geprägt. Was siehst Du als die gegenwärtig wichtigste Entwicklung im LARP bezüglich Gewandungen? 

Anna: Ich finde es großartig, dass immer mehr Materialien und Techniken zur Verfügung stehen um Ideen umsetzen zu können. Gerade aus dem Cosplay-Bereich kommen wunderbare Einflüsse, die es ermöglichen mehr Fantasy in die Gewandungen und Props zu bringen. Außerdem mag ich die Vernetzung: Immer mehr Kundenprojekte gestalte ich in Zusammenarbeit mit anderen (Larp-) Handwerkern, die mir entweder Techniken zeigen oder ganze Gewandungsteile ergänzen.

Fabian: Kommen wir zu meiner letzten Frage, die ich bisher allen gestellt habe…

Anna: Ich vermute es geht um immer hochwertigerere Ausrüstung und Gewandungen und ob LARP für Einsteiger zu teuer wird?

Fabian: Richtig! 

Anna: Ich vermute zu dem Thema könnte man ein Buch schreiben…

Fabian: Und was würdest Du hinein schreiben? 

Anna: Ich denke dass man das aus zwei Richtungen betrachten kann:
Einerseits gibt es ein Wahrnehmungsproblem. Es wird angenommen, dass die Fähigkeiten eines Larpers an seiner Gewandung abzulesen sind. In erster Linie sollte meiner Meinung nach aber das Spiel einer Person bewertet werden. Die Gewandung kommt erst im zweiten Schritt: Man passt nach und nach sein Äußeres an den gespielten Charakter an und erlaubt so seiner Umwelt auch schon aus der Entfernung zu erkennen was man darstellt. Diese „Aufwertung“ sollte im Optimalfall aber nicht für andere, sondern für sich selbst passieren. Einige der besten Spielszenen hatte ich mit Leuten mit schlichten Gewandungen, was mir aber während des Spiels so gar nicht aufgefallen ist.

 

Fabian: Und zum anderen?

Zum anderen sehe ich zwar, dass die Ansprüche gestiegen sind – mit ihnen allerdings auch deutlich die Möglichkeiten. Man bekommt ohne Probleme Materialien und Anleitungen, um zumindest einen Grundstock an Dingen (ich spreche hier natürlich eher von meinem Fachbereich) selbst herzustellen. Mit Video- Tutorials oder per „Live- Nähkurs“ kann auch ein Anfänger schnell gute Ergebnisse erzielen. Ich biete zB Nähkurse an, die man alleine oder als Gruppe buchen kann.
Sich selbst mit der Herstellung der eigenen Ausrüstung auseinanderzusetzen gibt dem Hobby LARP noch eine weitere spannende Facette, und dem Bastler womöglich einen tieferen Einblick in seinen gespielten Charakter.

Fabian: Vielen Dank für das Gespräch. Wir sehen uns im August!

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