Zu hart oder nicht zu hart, das ist hier die Frage!

Es gibt eine Reihe von Themen, die so alt sind wie unser Hobby – aber wenige, die von Anfang bis heute so häufig und nachhaltig diskutiert werden wie die gute alte Frage: Ist meine Waffe sicher?*

Auf unseren Veranstaltungen führt die Spielleitung keinen universellen Waffencheck bei Schaumstoff-Waffen durch. Holz-, Blank- und Vollgummiwaffen sind verboten. Bei Polsterwaffen halten wir zur Selbstkontrolle und Eigenverantwortung an und verweisen auf den LarpZeit Waffencheck.

Darin steht deutlich, dass leichte Blessuren im LARP Kampf nicht auszuschließen sind – eine Umschreibung die natürlich je nach Anwender und „Opfer“ unterschiedlich bewertet wird. In allen folgenden Beispielen wird jedoch immer von geklebten Waffen ausgegangen. In der Realität gibt es jedoch immer mehr Anbieter, die auch geschäumte Waffen herstellen.

Der Vorteil liegt hier häufig auf der Hand: geschäumte Waffen sind optisch „autentischer“, da deutlicher schlankere Klingenformen realisiert werden können. Einige Hersteller haben dies in den letzten Jahren soweit perfektioniert, dass die Klingen fast den Ansprüchen von Filmrequisiten genügen.

Doch wirft das immer wieder die Frage auf, ob sie damit auch noch ausreichend „sicher“ sind. Dies macht das große Diskussionsfeld des Themas „Wer mit seinem (Schaumstoff-) Schwert umgehen kann, tut auch keinem weh!“ auf. Ein Argument, dass man genauso auch für ein Holzschwert anbringen kann und welches zugleich jede Art von unbeabsichtigtem Unfall (z.B. ein Treffer beim Ausholen, da jemand von hinten in die Schlagbewegung tritt) ignoriert. Denn bisher habe ich noch keine LARP Waffe gesehen, die beim Verkauf mit einer Bedienungsanleitung, einem Schulungs-Video oder dergleichen geliefert wird. Statt dessen ist das Produkt für den unbedarften (und häufig unerfahrenen) Kunden „ready-to-use“.

Der LarpZeit Waffencheck sagt ausserdem eindeutig „die Schlagempfindlichkeit des Besitzers ist irrelevant, entscheidend ist dagegen die eines empfindlichen Gegners.“. Man darf also bei diesem Thema nie von sich selbst auf andere schließen. Dieser Ansatz, gepaart mit Waffen, die auf Grund ihrer Herstellung eigentlich ein paar Sicherheitshinweise bräuchten, sind eine unserser Meinung nach sehr bedenkliche Kombination. 

Für das ConQuest, ein offensichtlich sehr Action- und Kampflastiges Szenario, stellt sich hier also die Frage: Ab wann geht Sicherheit vor Optik? Kann man die Richtlinien des LarpZeit Waffenchecks auf moderne Herstellungsarten noch anwenden? Und ab welchem Punkt in der Entwicklung sollte ein Veranstalter einschreiten und einzelne Waffen, ganze Produktionsserien**, Hersteller oder sogar Fertigungsarten verbieten?

Die Frage wird zur Zeit bei uns im Team heiss diskutiert. Darum würden wir jetzt gerne Eure Meinung dazu hören. Also, was meint Ihr?

(* = meistens ist hier die Antwort „Meine ist sicher, aber Deine, ey, mit der kann man ja Holz hacken! Siehst Du diese Kerbe in meiner 1,5mm Stahlrüstung? Die ist von DEINEM Kernstab, Du Gummiwaffenknüppler!“)

(** = So bei uns bisher erst einmal geschehen mit der ersten Generation an Hammerkunst Schaumwaffen die für Mytholon produziert wurden, und das ist schon einige Jahre her. Die folgende Generation war dann deutlich weicher und wurde auch wieder zugelassen.)

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6 Gedanken zu “Zu hart oder nicht zu hart, das ist hier die Frage!

  1. Zu dem Thema möchte ich gern noch hinzufügen, dass bestimmte Rüstungen eine Waffe auch soweit beschädigen können, dass die Waffe nach dem Treffer an der Rüstung nicht mehr sicher sein könnte. Deswegen ist es um so wichtiger seinen eigenen Schlag so weit abzustoppen, dass man nicht nur den Menschen in der Rüstung nicht verletzt, sondern auch bei einem Rüstungstreffer (der oftmals härter durchgezogen wird, dass auch der Plattenträger den Treffer merkt) die Stellen für einen Treffer sorgsam ausgewählt werden! Ein Klingenbrecher, „Drachenzacken“ oder sonstige abstehende Verzierungen sollten sowohl an der Rüstung vermieden werden, als auch als Ziel für einen Treffer. Ihr zerstört die Waffe und somit die Sicherheit der Waffe. Ein Schnitt in den Schaumstoff bis auf den Kernstab kann beim nächsten Treffer ein sehr unangenehmes Erlebnis werden. Dies ist nicht nur teuer, sondern kann Menschen verletzen.
    Meiner Meinung nach sollten auch Rüstungen kontrolliert werden und Klingenbrecher, Metallkanten und auch harte Lederkanten kontrolliert werden, dass diese nicht scharfkantig sind oder hart hervorstehen.
    Zu den Waffen kann ich nur sagen, dass die neueren Modelle an der Schlagkante meistens genug Schaumstoff aufweisen, aber eklatant zu wenig Material an den Seigen oder Oberkanten aufweisen. Eine Abgeblockte Waffe kann auch seitlich getroffen werden und nicht jeder Schlag wird mit der Schlagkante getroffen. Weniger qualitative Waffen haben da ihre Probleme und Spitzen, sowie Kernstäbe brechen ab. (Siehe Beispiele einiger Hersteller in letzter Zeit)

    Fazit des ganzen: Kontrolliert eure Waffe vor dem Kampf, Kontrolliert eure Schläge und achtet darauf wo und wie und mit welcher Seite der Waffe ihr zuschlagt. Langwaffen sind keine Peitschenknüppel oder Fußgelenkbrechstangen, Peitschen und Kettenwaffen sind gefährlich, lernt damit umzugehen! Achtet auf euren Gegner und Rüstungen sind kein Grund volle Kanone durchzuziehen. Nach dem Kampf wieder die Waffe kontrollieren, haltet sie ans Ohr und biegt sie vorsichtig. Quietscht sie, Schaumstoff Kontrollieren, fühlt sie sich schwammig an, Latex und Klebestellen Kontrollieren, knirscht sie, Kernstab kontrollieren! Danach optische Kontrolle auf Beschädigungen! Sprecht mit dem Händlern, sollten sie da sein.

    My2cents

    Dennis aka, Jassir ben Aman – Nördliches Reich|Viribus Unitis|Wolfsmark

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  2. Ich finde es ist eine gerechtfertigte Überlegung ob man einschreiten sollte. Allerdings stellt sich dann auch noch die Frage der Umsetzbarkeit – insbesondere auf Großcons wird das ein riesiger Aufwand (Spätanreiser etc noch nicht eingerechnet). Des weiteren wirft man damit den Larp-Waffen-Bauern fernab der Großproduzenten Steine in den Weg, denn wer investiert viel Geld in ein Einzelstück, dass er nur auf der Hälfte der Cons bespielen darf?
    Eine Sache die meiner Erfahrung nach ggf. Sinn ergeben würde wäre ein Maximalgewicht für die einzelen Waffentypen (angelehnt an die Zugkraft-Beschränkung für Bögen), da der Trend zu schweren Waffen , teils auch mit Bleiband um den Kernstab geht. Zugegeben, diese Waffen machen wirklich Spaß, aber je schwerer die Waffe um so wichtiger das Abbremsen der Schläge, also absolut nichts für ungeübte Kämpfer oder unübersichtliche Kampfsettings.
    Gerade das Thema „Handling“ ist schwierig, und abbremsen von Schlägen leider nicht mehr gang und gebe – das Phänomen des „Schlachtreihen-Hooligan“ – ist leider immer öfter zu beobachten, auch dem sollte Rechnung getragen werden, denn nicht die Polsterwaffe birgt die größte Verletzungsgefahr sondern der Anwender. Insofern sollten auch die Spieler sensibilisiert werden für den Umgang mit Waffen und In-Fight Situationen z.B. durch Einbindung in die Orga-Ansprache, oder auch Video-Tutorials.

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  3. Hallo Nr, versuche die Angelegenheit mal aus der Sicht deines Gegenübers zu sehen. Er bekommt von dir eine Waffe ab, welche als sehr hart gilt (sonst wäre sie nicht ausgeschlossen worden). Für Ihn bist zunächst du und danach der Veranstalter „Schuld“ weil er nicht geschützt wurde. Auch ist das Argument, eine Waffe würden ~100€ kosten und muss daher eingesetzt werden dürfen eher gefährlich. Beispiel: Ein Buhurtschwert kostet ca. 250-500€ und wird natürlich nicht zugelassen. (Vollmetallwaffe) Ein näheres Beispiel wäre LARP in Russland. Dort gibt es eine Strömung welche mit Aluminiumwaffen kämpft. Sollten die zugelassen werden?

    Wink Harun

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  4. Ich denke die Orga sollte da nicht einschreiten, sowas sollen die Beteiligten untereinander ausmachen weil es eh keinen sinnvollen Konsens gibt. Ich pers. wäre extrem pissig wenn ich meine ~100€ Waffe nicht benutzen darf, weil die Orga mir nicht zutraut damit umzugehen.

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    • Wie soll das funktionieren? Man kann ja nicht mit allen Beteiligten vorher sprechen – wenn Gegner sich auf dem Schlachtfeld begegnen, wird beiderseits erst mal gehauen, und dann ist es ggf schon zu spät, das „vorher untereinander auszumachen“.

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