Ein Teil der Familie

Es war Anfang Juli 2007, etwa vier Wochen vor dem ConQuest, als mein Telefon klingelte und der folgende Anruf mein LARP-Leben verändern sollte. In den darauffolgenden Jahren sollte ich lernen, dass das ConQuest mehr als nur ein riesiges Festival für Gewandete ist (mein Eindruck als SC 2006), ich sollte zum ersten Mal im LARP weinen, sollte eine Wandlung eines Charakters zu einem Gott verkörpern, als Bösewicht Spielerinnen und Spielern das Fürchten lehren und letztlich als Teil der großen Mythodeafamilie Freundschaften fürs Leben knüpfen.

Man verzeihe mir die pathetische Einleitung. Manchmal hilft das in stressigen ConQuest-Zeiten (wie zum Beispiel dem Zeitpunkt, an dem wir das Festrollenportal online schalten) sich zu erinnern, warum man das eigentlich macht.

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Alusei von den Edalphi trifft die Nyame des Westens.

Das Telefonat also: Ich erinnere mich, dass ich gerade als Gruppenbetreuer einer Kinderfreizeit in der Schwäbischen Alb unterwegs war, als es klingelte.

2006, im Jahr davor, hatten wir mit einer kleinen Gruppe Freunde zum ersten Mal das ConQuest und damit auch zum ersten Mal ein Großcon als SCs ausprobiert – und sind mit wehenden Fahnen im großen Trubel untergegangen. Vor lauter Staunen haben wir NIX vom Plot mitbekommen und waren heillos überfordert. Daher wollten wir für 2007 mal etwas anderes ausprobieren.

 

Ich: „Hallo?“

Stimme: „Ja hallo! Hier ist die Kathrin vom ConQuest-Team. Du hattest dich bei uns mit deinen Freunden als Festrolle beworben. Hättet ihr Lust einen Hofstaat darzustellen, der aus Elfen und Mitgliedern eines Magievolkes besteht?“

Ich: „Wir haben dafür aber keine Gewandung wirklich. Aber ein schönes Lager können wir mitbringen.“

 

Deal. Offenbar war man einfach froh, dass wir das machen – so vier Wochen vor der Veranstaltung und noch nix anderes vorhatten. Man sagte mir später, dass das ohnehin ein eher chaotisches Jahr gewesen sei. Davon allerdings hatte ich als Festrolle nie etwas mitbekommen. Erst jetzt, da ich selbst im Festrollenteam bin, weiß ich wie manchmal alles drunter und drüber geht. Hab ich gerade „manchmal“ gesagt?

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Aluseis Finale und Ende 2013.

Naja, somit waren wir also Festrollen auf dem ConQuest: Zusammen mit S’ley und An’nai stellten wir die allerersten Edalphi und Traganter dar. Meine Rolle war ein Edalphi namens Alusei, der Hofmeister der Nyame – eine unbedeutende Nebenrolle neben S’ley, der Tochter der Nyame. Auch neben der Darstellerin von S’ley fühlte ich mich als Nebenrolle gut aufgehoben, denn rollenspielerisch spielte Dani immer in einer anderen Liga als ich.
Nach der Enttäuschung im Vorjahr waren unsere Erwartungen gespalten, doch als das Spiel als Festrolle endlich losging wurde alles übertroffen, was man nur zu hoffen geglaubt hatte. Nicht nur lernte man plötzlich alle kennen, Nyamen, Archonten, Argus, Ouai, Avatare.

Auch die Dichte an Drama, Plot und Charakterspiel war etwas, was ich so auf einem Großcon nie erwartet hatte. Zwar war meine Rolle nicht die große Offenbarung, mein Spiel sicherlich auch nicht, aber ich war angefixt. Und es war klar: Sobald das CQ-Team wieder Bewerbungen annimmt, würde ich mich wieder als Festrolle bewerben.

Alusei sollte ich schließlich 7 Jahre lang spielen. Der Charakter entwickelte sich von Jahr zu Jahr, wie der Plot es brauchte und wie ich finde, niemals ohne großen Bruch: vom Hofmeister zum Berater, vom Berater zum Diplomat, vom Diplomat zum Strategen, vom Strategen zum Laienpriester, vom Edalphi zum Edalphi-Eliondar-Tandem, vom Elementarvolk zum Erwählten, vom Erwählten zum Weltenwächter. Die Rolle wurde zunehmend enger mit der Welt verwoben und auch ich tauchte persönlich immer mehr in die Mythodeawelt ein, wurde Teil des Teams und der Familie.

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Der Rikan der Stimme – eine völlig andere Erfahrung.

Zunächst kümmerte ich mich nur um ein oder zwei Kapitel im Guide der Edalphi, dann um die Gruppenorga und schließlich auch um ein wenig Edalphi-Plot. Mittlerweile war ich auch schon nur noch gefühlt eine Festrolle, formal aber „SL-in-Rolle“, trug irgendwann dann auch die Verantwortung für den gesamten Plot des Magielagers und schlussendlich auch für die Metastory. Auch wenn ich mittlerweile im blauen T-Shirt über die Wiesen Brokelohs hüpfe, wurde ich doch durch Dasein und das Spiel als Festrolle unheilbar mit dem Virus Mythodea infiziert.

Als Festrolle auf dem ConQuest bekam ich die Gelegenheit so viele unterschiedliche Facetten von Live Rollenspiel kennenzulernen, als Alusei, Nevsherin, Timson und Rikan der Stimme. Aber auch und vor allem als Daniel, der auch nach so vielen Jahren immer noch mit großen Augen über die Spieldichte, den Ideenreichtum und die spontanen Wendungen staunt. Heute freue mich darüber selbst verantwortlich für das Festrollenteam zu sein und irgendwann zwischen März und Juni wildfremde Leute anzurufen und zu uns in die Familie einladen zu dürfen:

„Hallo, hier ist der Daniel vom ConQuest-Team. Du hattest dich bei uns als Festrolle beworben. Herzlich Willkommen!“

 

Zur Festrollen- und Springeranmeldung geht es hier: http://festrollen.mythodea.de/anmeldung/

 

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