Von prachtvoller Vielfalt

Brachland Es war einmal ein großes, brach liegendes Stück Land, welches von einem Gärtner erworben wurde. Darauf wuchs kein einziger Halm, denn an diesem Ort regnete es nicht genug. Der Gärtner aber hatte die Vision, dass dies ein lebendiger, bunter und vielseitiger Ort voller Wachstum sein sollte. Er begann also damit sich zu überlegen, wie er das Land begrünen könne, so dass es vielen Menschen Freude bereiten könnte. Er begann damit um das weitläufige Gelände einen Zaun zu ziehen. Nur mit seiner Erlaubnis sollte man eintreten können, denn er wollte nicht, dass ein Vandale seine Schöpfung zerstörte. Dann nahm er sich einige befreundete Gärtner zur Hilfe. Gemeinsam begannen sie aus dem Brachland etwas Schönes zu machen. Sie pflanzten Bäume, noch ganz klein und winzig und gossen und nährten sie. Alsbald wurde aus jedem der zarten Setzlinge ein schöner Baum, der mit der Zeit immer weiter wachsen sollte. Die Zeit verging und immer mehr Besucher kamen in den entstehenden Hain. Es gab noch viele kahle Stellen, an denen nichts als bloße Erde war. Die vielen Füße und der Wind trugen die Erde ab, sodass die Wurzeln schaden nahmen. Doch dort, wo schon ein Baum stand, hielten sich die Leute gerne auf und bewunderten die Pracht, die so fern ab im sonstigen Brachland zu finden war, wie eine Oase in der Wüste.

WaldwegDa kam ein Besucher auf den Gärtner zu und sagte: „Lieber Gärtner, dies Land hier ist so wunderschön und ich sehe, du gibst dein Bestes es noch schöner zu machen. Ich fühle mich hier sehr wohl. Der Baum dort hinten ist mein liebster und ich würde es dort gerne noch schöner machen. Du hast schon genug Arbeit mit all dem hier. Aber erlaube mir doch ein bisschen Gras und Blumen zu säen, damit es noch bunter wird.“

Der Gärtner stimmte zu, denn er fand es wäre eine gute Idee und der Besucher würde sich bestimmt gut um seine Blumen kümmern. So war es auch. An dieser Stelle im Garten ward es nur schöner und wohnlicher und immer mehr Besucher kamen.

BlumenvielfaltDas wiederum sahen andere Besucher, die sich an anderen Stellen innerhalb des Gartens einen Baum gesucht hatten. Auch sie gingen, einer nach dem anderen, zum Gärtner und fragten: „Lieber Gärtner, wir haben gesehen, dass du jemandem erlaubt hast den Boden des Gartens mit Gras und Blumen zu bepflanzen. Wir möchten auch gerne etwas mehr prächtige Vielfalt an unserem Lieblingsplatz, erlaubst du es uns?“

Der Gärtner freute sich über die Anfragen. Er bat einen der angestellten Gärtner, mit den Besuchern, die ihre Stammplätze verschönern wollten, in Kontakt zu bleiben, damit keine Pflanze das Wachstum der Bäume beeinträchtigte und damit auch jeder in seinem Rahmen bleiben möge.

So wuchsen bald nicht nur Laub- und Nadelbäume, sondern verschiedene Gräser und Blumen, Stauden und Hecken, Beeren und Kräuter und der Garten wurde bunter und schöner und erreichte bald eine ungekannte Pracht. Immer mehr Besucher kamen und bestaunten das gemeinsame Werk. Ein Gast fragte: „Woher nur nehmt ihr die Kraft für all dies? Wie wurde es so schön?“ Der Stammgast antwortete: „Das haben wir gemacht, unsere Zeit und Mühe investiert!“ Der Gärtner antwortete: „Das habe ich gemacht, meine Zeit und Mühe investiert!“ Da fragte der Gast: „Aber würden die Bäume nicht besser wachsen, wenn es dies ganze Kleingestrüpp am Boden nicht gäbe? Könnte man es dann nicht besser pflegen? Und würden die Blumen und Sträucher nicht besser wachsen, würden die großen Bäume ihnen nicht das Licht nehmen?“

So überlegte der Gast: Kann das eine ohne das andere sein? Kann Wurzelbergder Garten so einen Zustrom von Besuchern erwarten, wenn er nur Bäume oder nur Kleingewächs enthielte? Würde die Sonne die Blumen verbrennen, wären die Bäume nicht? Würde der Wind und das Getrampel nicht die Erde abtragen und so den Bäumen die Standfestigkeit nehmen? Wäre ein Garten nur mit Bäumen nicht einfach nur nützlich, aber nicht mehr schön? Könnte der Gärtner beides erhalten, wenn man ihm nicht das ganze Jahr über helfen würde?

PS: Danke an Suse für die Mithilfe!

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8 Gedanken zu “Von prachtvoller Vielfalt

  1. Eine schöne Metapher, eine sehr positive. Vielleicht braucht es ab und zu eine solche Metapher, denn das Negative sieht man jeden Tag. Danke für die Gedanken in eine gute Richtung stupsen. Dorthin gehen muss ich aber schon noch selber.

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  2. Man könnte es auch in eine größeren gesellschaftskritischen Kontext setzen, wenn man das mag, keine Frage, aber in Bezug auf das beste Hobby der Welt klingt es eher wie eine Liebeserklärung in meinen Ohren. 🙂

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  3. Ein Garten kann auf viele Arten schön sein … alles liegt immer im Auge des Betrachters! Reiner Wildwuchs wird letztendlich dazu führen, das der Garten verkrautet. Das Ausdünnen und Aussortieren lässt schnell die Vielfältigkeit und Individualität verloren gehen. Eine gesunde Mischung aus Artenvielfalt, Wegen die durch den Garten führen Wilden Ecken und angelegten Beeten ist aus meiner Sicht, was einen schönen Garten ausmacht, der Lust darauf macht in ihm zu verweilen …..

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  4. Ich bin ein großer Fan von Parabeln, ich bin sogar noch ein größerer Fan von Parabeln ohne „Moral“ am Ende.

    Die Tags machen natürlich deutlich, dass der primäre Bezug auf dem Mythodea-Hintergrund in Bezug auf das Kampagnenspiel und die Siedlercons drumherum sein könnte. Aber ich denke man kann es fast auf jeder Ebene, vom großen Metaplot bis hin zum kleinen Einzelcharakter beziehen. (Und selbstverständlich auch vollkommen abseits vom LARP, aber das ist da sozusagen das Sahnehäubchen).

    Ich denke das fasst die Situation sehr schön zusammen und es lassen sich auch Erklärungsansätze finden, wenn im ‚Garten‘ einmal nicht alles so rosig läuft wie erhofft. Aber es zeigt auch, dass es zwar möglich ist als „einzelner Gärtner“ aufzutreten, aber ein Geben und Nehmen, ein Zusaamenarbeiten und -spielen sehr viel vielseitigere und schönere Geschichten erzeugen kann.

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  5. Toller Vergleich! Ich liebe es unter den Bäumen zu liegen und 2-3 mal im Jahr auf einen zu klettern.. aber danach.. muss einfach das Gefühl des Grases unter den Füßen sein…

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