Grenzsetzung

Stop-BefehlMan bringt es schon kleinen Kindern bei: „Nein!“ zu sagen, wenn man etwas nicht möchte. Jeder Erwachsene hat (oder sollte) die Fähigkeit der Abgrenzung gegenüber anderen beherrschen.

Ich habe beobachten müssen, dass dies im Larp schwierig zu sein scheint. Mir erzählte eine Spielerin, dass ihr eine Situation im Spiel unangenehm war, sie sich dieser aber nicht entzog, weil es den Charakter nicht stören würde. Ich erinnerte mich zurück und konnte noch mehr solcher Situationen in der Vergangenheit identifizieren, bei verschiedenen Personen. Ich hinterfragte es in einem Con-Feedback, und stellte fest, dass es relativ häufig vorkam, dass sich jemand OT unwohl fühlte, es aber nicht ins Spiel übertrug und demnach keine Grenze zog. Das schloss sowohl Frauen wie Männer ein.

Meist betraf das Themen wie verbale Übergriffe und körperliche Nähe.

Ich habe darüber nachgedacht … doch mehr als das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es Menschen gibt, die im Spiel keine OT-Grenzen ziehen, dies aber tun sollten, ist mir nicht eingefallen.

Brauchen wir den Stopp-Befehl nicht nur für körperliche Schadensfälle, sondern auch um Grenzen für die Person zu ziehen?

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8 Gedanken zu “Grenzsetzung

  1. Wenn gestattet, ziehe ich mal die Parallele zu ganz anderen Rollenspielen. Bei BDSM-Rollenspielen gibt es seit jeher ein Stop-Wort. Eine Grenze, die aus allen möglichen Gründen notwendig, wichtig und allenthalben zu achten ist. Mal abgesehen von den offensichtlichen Notwendigkeiten dient das sog. safe-Wort dort dazu, sich sicher und vorsichtig an seine Grenzen heranzutasten. Denn hier wie dort ist die Grenzerfahrung eine intensivere, ggf. reizvollere. Warum nicht im Larp auch die Grenzen kennen lernen? (nicht überschreiten!)

    Genau die Möglichkeit, genau den Mechanismus in das allgemeine Gedächtnis einbringen, verhindert uncoole oder gar gefährliche Szenen. Und erlaubt intensivere Erfahrungen. Niemand ist davor geschützt, es für sich selbst zu übertreiben aber (mal abgesehen von ausgesuchten Vollidioten) meiner Erfahrung nach gilt: jeder stoppt das Spiel wenn ein anderer eben „STOP“ schreit.

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  2. Die Beobachtung von Lena ist mir nicht neu und schon länger bekannt.
    Aber auch ich stehe vor dem Dilemma – wie geht man damit um?

    M.E nach ist die sehr unterschiedliche Wahrnehmung der Spieler was ein „too much, zu nah oder zu übergriffig“ angeht eines der Grundprobleme bei dieser Geschichte.

    Als Orkspieler mußte ich mich schon häufiger damit auseinander setzten , was gewaltätige IT Übergriffe angeht und was sie außerhalb des Spieles bewirken können – bei Anfängern, bei Personen die schon ein mal real Opfer von Übergriffen geworden sind oder traumatische Erfahrungen gemacht haben. Und die Gruppe der psychisch labilen, bzw. alkoholisierten Personen nicht zu vergessen.

    Leider ist mir oft Ignoranz seitens nicht betroffener Spieler begegnet, auch von NSC und Sl´s. „Die sollen sich nicht anstellen…das ist doch nicht so schlimm…“ oder aber der Satz den ich da am meisten ja fast hassen gelernt habe „Ist doch alles nur Spiel“.

    Es ist ein Spiel, ganz richtig – das entbindet aber keinen von der Verantwortung die man seinem Spielgegenüber hat, grade wenn man in Grenzbereichen spielt.
    Denn eine der oben genannten Personen ist meist wahrnehmungstechnisch sehr überflutet in diesen Momenten, möglicherweise unorientiert ob der eigenen Situation und beadrf in diesem Augenblick jemanden, der Anker ist. Sicherheit gibt und den schlingernden Kurs puffert.

    Das ist auch garnicht so schwer, man braucht keine psychologische Ausbildung für sowas – nur gesunden Menschenverstand, den Mut ein Spiel zu unterbrechen und instinktiv das zu tun was man tun würde um zu helfen.
    Fühlt man sich selber überfordert, ist es auch nicht schlimm sich Hilfe zu holen, eine SL zu informieren oder wenn man weiß das jemand vor Ort ist der besser mit sowas kann , diesen holen.
    Vor allem aber, erstmal raus aus dem Spiel, der Situation.

    Und SL´s sind in meinen Augen mittlerweile mehr als nur Spielleiter, da bei ihnen eine ganze Menge landet und sie aber auch diejenigen sind, die eine Menge sehen und somit Entscheidungen treffen können (hole ich Person XY raus aus dem Spiel, etc.).

    Ich würde mir wünschen, dass schon der Nachwuchs durch Vorbildfunktion lernt, das ein „Nein“, ein „Stopp“ nicht nur bei Verletzungen im Kampfgetümmel gilt, sondern wie im realen Leben auch wichtig ist für den eigenen Schutz im Spiel.

    Denn ein „Nein“ ist ein Nein und sollte respektiert werden, egal ob im LARP oder im realen Leben.

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  3. Die Grundregel sollte sein, bei Dingen welche man im normalen Leben nicht täte einfach auf sein Gegenüber zu achten.

    Zeigt sich eine unfreiwillige Anwehrreaktion (kurzes wegzucken, wegziehen des Armes, lautes Schlucken, o.Ä.): Abbruch.
    Das ist weniger störend (und weniger unangenehm für einen selbst) als wenn der Gegenüber einschreiten muss.

    Ansonsten bin ich mir generell selbst der nächste und spreche es einfach im normalen Ton OT an – Denn wenn mir etwas zu weit geht, dann geht es mir wirklich zu weit – In dem Moment interessiert mich dann auch der Spielfluss nciht mehr, da ich bereits raus bin.

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  4. Ich hatte im LARP zwei Mal eine Sittuation, wo ich meine Grenze gezogen hätte/habe. Ein Mal habe ich schlicht und ergreifend in dem Moment nicht mehr daran gedacht, dass ich das Spiel stoppen könnte, weil ich ein wenig panisch war, da die Sittuation total unübersichtlich und IMO auch gefährlich war. Ich hatte aber für mich in dem Moment nur noch den Gedanken, dass ich raus möchte und hatte schlicht nicht mehr vor Augen, dass ich Stopp sagen kann. Das war halt auch erst mein drittes oder viertes LARP.
    Beim anderen Mal habe ich das Spiel gestoppt, gut da waren auch nicht so viele beteiligt, wir habens in 2-3 min geklärt und dann gings weiter.

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  5. Ich selbst habe noch keine Situation erlebt, in der ich mich körperlich oder psychisch abgrenzen musste und hoffe, dass das auch so bleibt. Grundsätzlich finde ich es sehr wichtig, unabhängig von einem Stop-Befehl, oder ähnlichem, dass wir gegenseitig unsere Grenzen achten. Das bedeutet auch, dass wir auf Signale des jeweils Anderen achten und auch verzeihen, wenn ein Spieler etwas tut, dass nicht seinem Charakter entspricht. Ich persönlich teste im LARP gerne meine Grenzen aus, tue Dinge die ich im RL nicht tun würde. Aber ich möchte trotzdem die Möglichkeit haben, mich aus Situationen zurückzuziehen, die mir in irgendeiner Weise nicht gut tun würden. Das hört sich jetzt vielleicht etwas weich an, aber ich finde, dass die psychische und körperliche Gesundheit aller LARPer immer im Vordergrund steht.

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  6. Ich glaube mal Lena, dass Du vollkommen recht hast. Man muss Leute einfach darauf hinweisen, dass sie ein Spiel abbrechen müssen, wenn es für sie nicht mehr lustig ist. Im gleichen Atemzug MUSS aber auch die SL vor Ort solche Geschehnisse ahnden und nicht unter den Teppich kehren, nur weil ein hochrangiger Spieler versichert, dass alles okay gewesen sei.
    Problematisch ist auch dass oftmals die Belastungsgrenze der Personen untereinander variieren, auch sollte man nie eine Gruppendynamik gegenüber einer einzelnen Person unterschätzen darf.

    Leider muss ich sagen, dass ich schon ein paar mal von solchen Situationen auf dem CoM gehört und sogar schon einmal eine erlebt habe. Damals hat es niemanden interessiert, vielleicht ändert sich das ja langsam mal. Wenn Du Deinen kurs verfolgst UND aber auch den Teilnehmern, SCs wie NSCs komunizierst dass sie ihr eigenes Wohlbefinden ÜBER das „schöne Spiel“ stellen sollen, dann wird das schon klappen. Denn zumindest in den mir bekannten Fällen war es so, dass sich Menschen nicht aus einer Situation zurückgezogen haben die ihnen OT missfiel weil sie befürchteten IT eine Situation zu verpatzen und darum negativ aufzufallen, gerade im Beisein „prominenter“ Charaktere. Ich schätze mal, dass in diesen Fällen die Angst vor Missgunst, überler Nachrede und der gute Wille „na es ist ja gleich vorbei“ einiges getan hat um etwas mitzumachen, was man eigentlich nicht wollte.

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  7. Ich halte es nur für richtig, zumindest ein äquivalent des „Stop“ für psychisch belastende Situationen zum Schutz der Spieler einzuführen. Wir kommen in unserem Hobby schnell an Bereiche die fern dessen liegen was wir im echten Leben erfahren. Aber genauso kommen wir an Grenzen, die einigen von uns bereits im echten Leben passiert sind (Körperliche Übergriffe, Psychischer Terror, ect) in diesem Falle sollte jedem eine eindeutige und vor allem anerkannte Möglichkeit gegeben sein sich zurück zu ziehen.

    Der STOP Befehl an sich wird (Ebenfalls zu Recht) oft eingeschränkt auf äußerste Gefahren Situationen für Leib und Leben, weshalb eine gewisse Hemschwelle bestehen dürfte ihn zu nutzen, wenn man sich „unwohl“ fühlt.

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  8. Hmm, es kommt darauf an.

    M.E. nach existiert der Stop Befehl für das ganze Spiel.
    Er wird nur nicht für nicht kampflastige Szenen gezogen.

    Ich glaube es ist Situationsabhängig. Ein Bestandteil von LARP ist sich in Situationen zu bringen, die man im RL nicht erlebt oder erleben möchte. Eine Aktion und eine Reaktion hervorrufen.

    „Mir erzählte eine Spielerin, dass ihr eine Situation im Spiel unangenehm war, sie sich dieser aber nicht entzog, weil es den Charakter nicht stören würde.“

    Das interpretiere ich so, dass es Situationen gibt, die man tatsächlich nicht erleben will, aber als „passende Aktion“ empfindet.

    Wenn jemanden eine Reaktion nicht passt, darf er natürlich „Stop“ sagen aber bis zu einem gewissen grad gehören Erfahrungen die nicht in das RL gehören ins LARP.

    Ich weiß, konfus geschrieben. Hoffe Ihr versteht was ich meine 😀

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