Wie werde ich ein Held?

Gestern Abend war es, als ich ein langes Gespräch mit Jemandem führte, der seine Zukunft im Team sieht, aber derzeit noch sehr nah am Teilnehmer ist.
Eine Aussage in der Unterhaltung motivierte mich zu diesem Blog: „Live Adventure macht Menschen zu Helden, die weinen!“

Ich dachte kurz nach, und stellte fest: Das stimmt nicht! Die Spieler und Teilnehmer jedoch, die machen wirklich Menschen zu Helden die weinen……und lachen, und scherzen, die wütend sind, oder ängstlich……

Wir riefen uns gemeinsam einige Helden gedanklich vor Augen. Jeder Einzelne von ihnen hat OT eine starke Persönlichkeit. Jeder von ihnen spielt mit seiner Mimik und Gestik über die Maße. Jeder von ihnen ruft bei seinem Gegenüber Emotionen hervor. Die Emotionen bleiben in Erinnerung, werden mit der Person behaftet die sie ausgelöst hat. Der Charakter bekommt ein Gesicht. Ein Gesicht, welches Aufmerksamkeit erhält.

Die Aufmerksamkeit steigert sich mit der Zeit und den Jahren, weil derjenige nicht damit aufhört emotional zu spielen. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem auch eine oder mehrere Spielleitungen auf die Person aufmerksam werden. Aber wenn das der Fall ist, dann ist diese Person meistens schon Neches’re, Nyame oder Waffenmeister oder oder oder…. weil die Spieler und NSC ihn unter Ihresgleichen schon viel eher entdeckt haben.

Das wäre also jetzt die Anleitung zum „Helden wie er im Buche steht“: Emotional sein und spielen.

Dann kommt das große Aber: Wie kann ich mich trauen emotional zu spielen? Wie schaffe ich es, dass ich mich sicher fühlen kann, mich nicht vor so vielen Menschen lächerlich mache? Wieder riefen wir uns die derzeitigen Helden vor Augen. Und stellten fest, dass jeder von ihnen viele Freunde in seinem Spielumfeld hat.
Die Sicherheit die man braucht findet man nicht zwangsläufig im Spiel selbst. Aber man kann sie außerhalb haben. Wenn etwas nicht gut lief braucht man die Sicherheit von Freunden in der Nähe. Die Sicherheit, dass sie für einen einstehen und da sind.

Doch auch im Spiel kann ich erreichen jemandem Sicherheit zu schenken: Wenn ich es ganz ungefragt tue. Nicht indem ich mich selbst über Andere stelle, nicht indem ich mich selbst zum Helden mache: Sondern indem man Andere zum Helden macht.

Da wird Jemand auf der Straße beleidigt, in einem Gespräch schlecht gemacht? Deine Chance dir einen Namen zu machen! Verteidige ihn vor Anderen mit Worten, am Besten noch so dass der Angegriffene es hört. Nicht nur, dass du an diesem Punkt selbst Emotionen zeigen kannst, dieser vorher Beleidigte weiß nun auch: „Hey, ich habe Jemanden der für mich einsteht“ und wird dir diesen Gefallen eines Tages zurück erweisen.

Du hast damit den ersten Schritt zu einem Helden gemacht, weit entfernt von einer Schlacht gegen die Verfemten.

Ich wünsche mir mehr Helden!

PS: Ich hätte ja jetzt gern ein Bild von einem Helden eingefügt. Aber ich müsste soviele Helden weglassen. Also diesmal ein Blog ohne Bild….

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7 Gedanken zu “Wie werde ich ein Held?

  1. [„Nicht indem ich mich selbst über Andere stelle, nicht indem ich mich selbst zum Helden mache: Sondern indem man Andere zum Helden macht.“].

    Für mich sind Altruisten im Spiel prädestinierte Helden, da stimme ich Dir 100% zu. In einer Spielwelt voller Eitelkeiten und Machtgier erblühen die Rollen und Darstellungen, welche eben Anderen ein Sprungbrett bieten – nebenbei machen sie noch wirklich Spaß und bieten ein unvergessliches Spiel-Erlebnis. Und ich kann tatsächlich mit dem prosperierenden Söldnertum und den seit Jahren mehr werdenden „Freien“ den Beweis führen: wir haben keinen klassischen „Chef“ – wir spielen ein „Füreinander“, jeder kann ein ein Held werden, was aufgrund des dankbaren Settings, einer echten Steilvorlage, bisher wunderbar funktioniert. 🙂

    lg Marc

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  2. Mich würde interessieren, wie die Autorin einen „Helden“ ™ genau definiert.
    Ist ein Held für sie jetzt jemand, der gut spielt, Emotionen zeigt und spiel generiert?
    Oder ist ein Held für sie jemand, der im Spiel Entscheidungen trifft, die die Welt beeinflussen (Archon, Nyame, Neches’re, Waffenmeister und wie sie nicht alle auf Mythodea heißen)?

    Will sie also IT-Helden oder will sie OT-„Helden“ (hier als Idealbild eines spielfördernden Charakters) im Larp sehen?
    Das kommt nicht klar genug heraus, und während ich die eine Seite unterstützen würde, wäre ich persönlich partout gegen die andere Seite.

    Leider ein wenig zu wenig die Gedankengänge erklärt, was den Blogbeitrag recht schwer nachvollziehbar macht für mich, ich hätte mir da mehr gewünscht, da das Thema an sich eigentlich sehr interessant ist und ich da durchaus die Ideen anderer Leute zu lesen möchte. 🙂

    Danke dennoch für diesen Einblick in die Gedanken der Autorin.

    LG,
    Betty

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    • Hallo Betty,
      Danke für deine Anregung. Ich würde mich freuen wenn du deine Gedanken dazu auch genauer ausformulierst!

      Der IT-Held wäre ja einer, der tolle Taten vollbringt und die Menschehit vor dem Bösen bewahrt, der Drachen tötet und Jungfraun befreit, den Schatz findet und den bösen Magier einsperrt…..oder so ähnlich.
      Doch tatsächlich sehe ich eher Charaktere als Helden, die andere mitreißen können, ins Spiel ziehen, vielleicht auch mal ein Wagnis eingehen ohne „Angst um den Charaktertod“ zu haben, die Situationen erlebenswert machen. Die Charaktere können das jedoch nur, weil der OT-Mensch dies kann. Weil der OT-Mensch eine gute Körpersprache hat, die sein inneres (vielleicht auch gespieltes) Empfinden nach Außen trägt, der epische Reden schwingen kann und der sich traut all dies zu tun, weil er selbstsicher ist, oder sich im Umfeld seiner Freunde sicher fühlt.

      Nebenbei: Ein Patentrezept gibt es wohl nicht. Wenn es das gäbe würde ichs wohl selbst anwenden. Es sind eher Gedankenspiele.

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      • Hallo Lena,
        danke für die Klarstellung.
        Ich stimme dir voll und ganz zu, dass das von dir erklärte Verhalten erstrebenswert ist im LARP. Ich störe mich zwar etwas an der Bezeichnung „Held“, weil dieser für mich persönlich zu sehr in die IT-Bedeutung weist, den Inhalt deiner Aussage kann ich allerdings nur voll und ganz unterstreichen.

        Ich kann allerdings die Korrelation zwischen dem guten Spiel und dem implizierten Aufstieg in der IT-Hierarchie nicht unbedingt verstehen. Die Spieler, die Waffenmeister etc. sind kann ich nicht wirklich beurteilen, dazu kenne ich zu wenige von Ihnen.
        Aber wird doch durch den Text gesagt: Spiel gut (emotional, mitreissend etc.) und du wirst damit belohnt, dass du in der IT Hierarchie aufsteigst. Was ist aber mit Spielern, die überhaupt keine Lust daran haben, in dieser Hierarchie aufzusteigen?

        Schönes, mitreißendes Spiel sollte in meinen Augen Selbstzweck sein. Der Spieler wird im Idealfall durch schönes Spiel der anderen (die er evtl. inspiriert hat) belohnt. Ob er jetzt durch dieses Spiel in irgendeiner gearteten IT-Hierarchie aufsteigt oder nicht, ist in meinen Augen irrelevant. Der Zweck des LARPs ist für mich nicht, in einer IT-Hierarchie aufzusteigen, sondern schön zu spielen und gute Erlebnisse zu haben. Diese habe ich aber durch mein Charakterspiel, nicht durch die Hierarchie. Ich selbst habe mehrere Charaktere, die partout nicht auf den Aufstieg ausgelegt sind.

        Womit wir zur Frage kommen: Wie das eigene Spiel verbessern?

        ich habe dazu immer eine ganz einfache Antwort: Denke über dich selbst nach! Was für Spiel möchte ich haben? Wie erreiche ich dieses? und am wichtigsten: Ist der Weg, den ich bisher eingeschlagen habe, der richtige? Ich denke, wenn viele Menschen sich einfach mehr Gedanken über ihr eigenes LARP und ihre Wirkung auf andere machen würden, wäre vielen geholfen.

        Beispiel:
        Wenn ich spiele, möchte ich meist einen Teil meiner selbst ausleben. Wenn ich daher einen Charakter erschaffe, nehme ich die Eigenschaft, die ich ausleben möchte und steigere sie meist ins Extrem (ohne den Charakter lebensmüde zu machen). So habe ich einen riesig arroganten Adeligen, einen stumpf-dämlich (it-)baggernden Streuner und einen mitfühlenden Terra-Priester. Dadurch, dass das alles Seiten meiner Selbst sind, die ich in dieser Rolle nur gesteigert auslebe, habe ich kein Problem damit, sie zu spielen… sie sind ja wirklich da.

        Kommen wir zu den Hemmungen: Zum einen sind sie weniger als in der Realität. Das heißt, man kann leichter weniger sozial anerkanntes Verhalten ausleben als in der Realität, was bei einem immernoch sozialem Miteinander bei dem teilweise extremst unterschiedliche Spielansichten aufeinandertreffen (wie es das CoM nun einmal ist) zu großen Problemen für einzelne Leuten führen kann. Hier erleben wir gesunkene Hemmungen aufgrund der „Maskenfunktion“ der Rolle, wie ich sie gern bezeichne.

        Auf der anderen Seite muss man sich dieser Maskenfunktion aber auch positiv erst einmal bewusst werden (durch die von dir genannten Freunde die Rückhalt bieten zum Beispiel). Dass Aktionen wie Reden etc. vor allen Dingen auf die Rolle und nicht direkt auf die Person zurückgeführt werden. Man muss vergessen bzw. ablegen, dass man immer und direkt kritisch beäugt wird. Die Leute versuchen eher sich eine Meinung über den Charakter zu bilden, als über den Spieler. Das gibt keinen Freifahrtschein, sollte aber helfen, sich freier zu fühlen und mal die Sau rauszulassen.

        Die Sterblichkeit seines Charakters ist noch eine Kernfrage, die ich nie wirklich beantworten konnte. Für MICH half da der DKWDDK-Ansatz und ich hatte viele gute Erfahrungen mit Leuten die danach spielen, kann aber auch die Gegenargumente verstehen. Mehr als einen Appell, zugunsten von schönen Szenen/Momenten/Erlebnissen die einem immer im Gedächtnis bleiben auch mal einen Charaktertod zu riskieren fällt mir nicht ein, tut mir leid.

        Klar sind das eher Gedankenspiele, auch bei mir.
        Aber wenn sie ein paar Leuten helfen, über ihren Tellerrand zu schauen und darüber nachzudenken, was sie warum tun, und wie sie ein besseres Erlebnis für alle rauskriegen können, hats sich doch gelohnt 🙂

        Das waren jetzt ein paar etwas ausführlichere Gedanken zu dem Thema von meiner Seite aus. Bei Weitem nicht alles, aber das, was mir auf die Schnelle so aus den Fingern floss.

        LG,
        Betty

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      • Hallo Betty!
        Vielen Dank, wir Beide sind was das angeht wohl auf einer ähnlichen Wellenlänge. Vielen Dank, dass du mich und die Leserschaft hier an deiner Meinung hast teilhaben lassen.

        Das Vokabular „Held“ ist indem Fall nur stilistisches Mittel, ich fand es klang schöner als „Wie werde ich ein guter Spieler?“ 😉

        Und mit IT-Hierarchie beschrieb ich eigentlich eher, dass man bei gutem Spiel innerhalb der Spielerschaft bekannter wird. Und wenn man bereits bekannt ist, erst dann bemerkt eine Spielleitung einen….

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      • Hallo Lena,
        ich finds auf der einen Seite schön das du solche Spieler als Helden definierst die emotional sind und Leute mitreißen können auf der anderen Seite sind es aber eher die Spieler die in sehr großen Gruppen vernetzt sind, die vielleicht einen guten Draht zur SL und Orga haben und die Spieler die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind die als die gefeierten Helden dar stehen und Titel, Artefakte und Erfolge einheimsen.
        Wäre schön wenn sich da mal was ändert und ein umdenken statt finden würde.

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      • Hallo Dirk,
        entschuldige, ich sehe keinen Handlungsbedarf.

        Die Spieler, die in großen Gruppen organisiert sind, sind dies deshalb weil sie gruppenfähig sind, gute Anführer, gute Spieler, denen andere gerne folgen. Ich denke du meintest dabei die Anführer, nicht Soldat 5c. Viele der heutigen „Anführer“ und auch solche, die zumindest in meinem Kopf unter „Held“ stationiert sind, begannen Larp, oder gar das Mythodea-Spiel als Einzelpersonen. Einige davon waren auf den ersten Siedlercons, auf denen ich damals NSC war, noch ganz allein und einsam, sind aber inzwischen Persönlichkeiten die jeder kennt, mit einem rießen Anhang an „Gefolge“. Teilweise weiß ich heute nur, das dem damals so war, weil ich alte Fotos gesehen habe, oder man sich Jahre später darüber unterhält.

        Was das Erlangen von Titeln, Artefakten und Erfolgen angeht, ist dies für jeden offen. Zu behaupten man könne nicht daran kommen halte ich für Neid. Artefakte gibt das ConQuest kaum noch heraus, Erfolge hat man je nachdem wie man Erfolg definiert, und Titel erhält man durch Engagement, Willen, und gutes Spiel. Ansonsten sind unsere Festrollen darauf gebrieft jedem eine Chance zu geben (Sehr gut daran zu erkennen, dass eine Gruppe Wildschwein-Urmenschen 2013 versuchte einen Archon zu stellen)

        Liebe Grüße
        Lena

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