This is not a game …

Ein Bericht über einen Vortrag vom Mittelpunkt 2011.

Ein Alternate Reality Game (ARG) ist kein Larp, so wie wir es kennen. Beide Konzepte sind zwar eindeutig miteinander verwandt, es gibt jedoch ebenso eindeutige Unterschiede. Das ARG spielt im Hier und Jetzt, häufig im urbanen Umfeld, und hat mehr als einen Berührungspunkt auch mit dem, was man als Stadtrallye bezeichnet.

All das darzulegen führte hier zu weit. Man erlaube mir daher die sehr vereinfachende Aussage, dass beim ARG der „Spieler“  keine Rolle spielt, sondern das Spiel, unter Einsatz von modernen Medien, zu den Teilnehmern kommt.

Beispielsweise könnte die Webpräsenz einer Firma im Netz durchaus genau so Teil eines Spiels sein, wie der private Blog eines Firmenangestellten, ein Chat mit dubiosen Hackern, oder ein Treffen mit einem Insider. Ein Brief, ein Telefonanruf, all das kann Teil der Illusion sein, die die bestehende Wirklichkeit aufgreift um die zwischen Spiel und Realität zu verwischen.

Dass gerade dieses Spielkonzept mit seinem Medieneinsatz dazu geeignet ist, auch Kritik oder zumindest Nachdenken zu erzeugen, liegt nahe. Hieraus ergeben sich fantastische Möglichkeiten im Bereich der Medienpädagogik und der politischen Bildung.

Vor etwa einem Jahr wurden etwa 80 Schüler im Rahmen einer medienkritischen Projektwoche nach Frankfurt/Main gefahren und in zehn Gruppen aufgeteilt. Sie wussten nicht, dass sie an einem Spiel teilnehmen würden, sondern hatten zunächst den Eindruck, dass es sich um einen Klassenausflug handelte.

Unvermittelt gerieten sie in eine Geschichte, auf die sie nicht vorbereitet waren, eine Geschichte von einem geplanten islamitischen Anschlag, von einer Sicherheitsagentur, die ihre Mitarbeit wünschte und einem Plot, der darauf hinausläuft, dass nicht alles so ist, wie es scheint.

In einer Nachbesprechung wurde den Schülern dann noch vorgeführt, wie einfach es ist, im Web Informationen über sie selbst zu sammeln. Fotos wurden gezeigt und persönliche Daten präsentiert, welche anschaulich machten, dass es mitunter nachteilig ist sich selbst zum gläsernen Staatsbürger zu machen.  Ich war nicht dabei, aber ich denke, die Botschaft dürfte angekommen sein.

Der Aufwand für so ein ARG ist erheblich und auch, wenn die Bundeszentrale für politische Bildung, zusammen mit den Fördervereinen der Schule zur Finanzierung des Projektes beigetragen hat, so ist das erforderliche Know-how, der Personal- und Materialaufwand nicht zu unterschätzen. Die Kooperation aus basa e.V. und Waldritter e.V. konnte dies bewerkstelligen und arbeitet an einer Vorführung der ARGs für unterschiedliche Zielgruppen.

Obwohl sich nicht jeder Schüler direkt auf ein derartiges Spiel einlassen wird, sehe ich dennoch den möglichen Nutzen positiv und denke, dass wir in Zukunft mehr vom Einsatz derartiger Spielformen schulischen Kontext hören werden.

Wer mehr wissen will, der sollte sich an die Leute wenden, die mehr darüber sagen können als ich:

info@waldritter.de Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

Weitere Informationen und einen Trailer zu Aktuellen findet ihr unter:

http://projekt-prometheus.net/

(Anmerkung: Die Grundstruktur des Textes ist von mir, aber Thomas, der in das Projekt involviert ist, hat diese Endversion erstellt)

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5 Gedanken zu “This is not a game …

  1. Pingback: This is not a game …

  2. Ich verfolge ARGs im Netz schon seit Längerem, besonders im Bereich Buch. Klar, das bietet sich an, schließlich stecken in Büchern Geschichten und ARGS helfen sehr wirkungsvoll dabei, eben jene Geschichten zu den Lesern zu bringen bzw. vor deren Haustür, in deren Postfach, auf deren AB etc. Im Gegensatz zu den oben erwähnten Schulklassen lassen sich diese Spieler alle sehr breitwillig auf das Spiel ein, haben sich sogar extra zu diesem Zweck bei „Folge dem Kaninchen“ angemeldet. Und nach Spielstart erleben die Spieler dann wirklich aufregende, im Kern aber natürlich harmlose Rätsel. Morgen zum Beispiel findet in Hamburg eine geheime Vorlesung zum Thema „Hexen – Wahn und Wahrheit“ statt und das als gefaktes Event im Rahmen eines ARGs (http://blog.lovelybooks.de/2011/03/07/reporter-gesucht-das-kaixo-mysterium/). Ist doch toll, wenn ein Spiel Massen an Bloggern und freiwilligen Mitspielern mobilisiert, um gemeinsam ein Rätsel zu lösen – ganz ohne politischen Hintergrund!

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  3. Das Klischee ist absichtlich gewählt und wird bei den Projekt-Prometheus-Spielen natürlich im Anschluss reflektiert. Es geht natürlich darum, dass sich dieses Klischee nicht wie in jedem x-beliebigen Hollywood-Film bewahrheitet, sondern man tiefer und hinter die Kulissen blickt. Einen ausführlichen Artikel zum Thema gibt es auch im ersten MittelPunkt-Buch LARP: Hinter den Kulissen (https://conquestofmythodea.wordpress.com/2011/03/07/this-is-not-a-game/). Hier wird vor allem der Bildungsansatz mit Rahmen der politischen Bildungsarbeit erklärt.

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  4. Es gibt genug Leute die Probleme haben zwischen Ralität und Fantasie zu unterscheiden, dem muss nicht noch durch Vermischung von Realität und Spiel und fingierten Klassenausflügen mit schön klischeehaften islamistischen Anschlagsplänen Vorschub geleistet werden. Vor allem nicht von staatlicher Seite.

    Und am Ende sind wieder die Killerspiele Schuld, wenn wieder jemand seine Fantasie in die Realität umsetzt.

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    • Guter Einwand dem ich auch nicht ganz widersprechen kann. Das Setting erscheint mir ebenfalls etwas ungünstig gewählt. Die Grundidee aber ist schon klasse, falls man es (wie hier im Beispiel passiert) mit einer abschließenden Reflexionsphase verknüpft. Aus dem Grund find ich den Killerspiel-Vorurteils-Vergleich für unangebracht.

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