Die Sache mit den Erwartungen – mal ums Eck gedacht

Ich gehöre ja nun zur Spezies der Sprachwissenschaftler, bzw. der etwas weniger geachteten Version des Deutschlehrers. Hier bin ich wohl eines der eher seltenen Exemplare, welches sich in seiner knapp bemessenen Freizeit nicht etwa an der Lektüre literarischer Glanzstücke oder gar sogenannter Weltliteratur ergötzt, sondern im Gegenteil eintaucht in objektiv völlig sinnfreie Fantasiewelten, und in diesen dann auch noch so zwei, drei Tage lang völlig verschwindet – bis die 800 Seiten halt ausgelesen sind (oder man den Folgeband endlich besorgen konnte ^^).

Nun ja, auf der Suche nach geeigneter Lektüre – natürlich ist der Anspruch an die sprachlichen und stilistischen Qualitäten des Autors oder der Autorin nicht zuletzt dank meines Studiums doch ziemlich hoch – habe ich kürzlich mal wieder bei einem allseits beliebten Online-Buchversand gestöbert und mich nach Werken umgesehen, die den Kommentaren zufolge meiner knappen Zeit vermutlich würdig sein würden.

Da hieß es nun zu dem aktuell von mir gelesenen Werk in drei Bänden, es sei nicht nur sprachlich und inhaltlich ansprechend, atmosphärisch dicht und überhaupt glaubwürdig, abwechslungsreich und anders als alles andere (laut über 50 Lesern), sondern – und das ist selten! – der Autor habe auch keine Probleme damit, seine Hauptcharaktere sterben zu lassen. Das ist nun etwas, was mich zutiefst aufwühlt und aufregt und fesselt und fasziniert (hoppla, die Alliteration war ungewollt ^^) – George R.R. Martin tut sowas z.B., hat mich echt fertig gemacht.

Aber zurück zu meinem aktuellen Lesevergnügen. Band 1 hatte bereits über 800 Seiten und nicht gerade wenige Figuren, die im Laufe der Geschichte eingeführt worden waren, aber irgendwie wartete ich vergebens auf den angekündigten Tod lieb gewonnener Charaktere. Einer starb dann gegen Ende tatsächlich mal, aber gut, der war weder richtig wichtig noch einer der Sympathieträger.

Meine Hoffnungen lagen nun also auf Band 2. Doch auch hier wurde ich enttäuscht, denn nun waren es zwar schon zwei (oder gar drei?) Tote aus dem Kontingent der näher bekannten Akteure, doch immer noch keiner der Hauptcharaktere oder gar der liebenswerten Sonderlinge.

Bleibt also noch Band 3. Über dem sitze ich gerade. Aber die Hoffnung, dass der Autor mir als Leser das Herz bricht, indem er einen meiner Favoriten doch noch sterben lassen wird, habe ich aufgegeben. Nicht, dass es die Geschichte schlechter machen würde – sie ist gut geschrieben, fesselt mich, ist abwechslungsreich und durchaus in ihrer Entwicklung unvorhersehbar. Aber ich habe den Fehler gemacht, mir zuvor die Kommentare durchzulesen und daher eine gewisse Erwartungshaltung entwickelt. Und zumindest diese eine wurde bisher mal gründlich enttäuscht. Leider hinterlässt das bezogen auf die gesamte Geschichte einen faden Beigeschmack, der so einfach nicht hätte sein müssen.

So, und warum erzähle ich euch das alles? Weil – und nun kommt der große Bogen! – das halt immer so eine Sache ist mit den Erwartungen. Und weil ich dank der vielen, vielen Beiträge in den ConQuest-Foren zum Thema Doerchgardt 2008 und 2010 gaaanz viele Erwartungshaltungen herauslesen konnte. Und je mehr man da so liest, desto mehr erwartet man, dass dieses oder jenes geschehen möge. Dürfte euch ja dann nicht viel anders gehen als mir…

Aber nur so als Tipp: Macht nicht denselben Fehler wie ich und lasst euch euer Vergnügen dadurch vergällen, dass ihr Erwartungen entwickelt aufgrund der Erfahrungen und Aussagen anderer. Irgendwie kann das nämlich gründlich schief gehen. Wär doch schade drum, oder?

Übrigens: Unsere Plotautoren sind mehrheitlich eigentlich ganz passable Geschichtenerzähler, wie ich finde… 🙂

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10 Gedanken zu “Die Sache mit den Erwartungen – mal ums Eck gedacht

  1. Also es ist bei mir schon eine Weile her, weshalb ich nicht mehr allzu genau weiß wer nun in welchem Teil stirbt, aber das ganze klingt für mich nach einer Reihe über das mutige kleine bärtige Volk.

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  2. oh, dann hab ich dich falsch verstanden. Es gibt GRR. durchaus ind 3, bzw mittlerweile 4 Bänden, nämlich im Englischen, wobei auch im Deutschen mittlerwerweile die „englische“ Version verlegt wird. Im Deutschen hat man zunächst die doch recht langen Bücher jeweils in 2 geteilt.

    Wäre von der Menge aber eben gut hingekommen, weil die ersten 2 kommen glaub etwa auf 800-900 Seiten zusammen, womit wir bei deinen 800 wären. 😉

    Missverständnis aus der Welt geräumt, alle glücklich. 🙂 Harmonie!!! 😀

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  3. Also nochmal zum Mitschreiben: Mein aktueller DREITEILER ist mitnichten von G.R.R. Martin – im Gegenteil, ihn führe ich ja als Beispiel für einen Autor auf, der sehr wohl Hauptcharaktere sterben lässt. Wir warten da ja auch auf den wievielten? den achten Band? Nuja.

    Aber mein Beispiel sollte ja eigentlich eher illustrieren, dass fälschlich geweckte Erwartungen auch das an sich tollste Vergnügen schmälern können, was sich durchaus auch auf das ConQuest beziehen lässt. Es sollte im grunde keine Buchkritik werden – andernfalls hätte ich ja Autor und Werk genannt 😉

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  4. Vorsicht G.R.R.M Ein Lied von Eis und Feuer Spoiler (irgendwo in den ersten beiden Bänden):

    Du findest Ned Stark einen Nebencharakter? Wie kannst du nur??? Und die Burg Winterfell an sich habe ich auch ziemlich ins Herz geschlossen gehabt! Sicher es sterben nicht alle Hauptfiguren und er rettet vor allem auch immer wieder Figuren auf skurile Art und Weise (aller erstes Beispiel zb Bran) Man denkt jemand ist tod und er ist es dann doch nicht, das kommt öfter vor. Aber nicht immer! Mich hat die Reihe sehr bewegt und ich möchte sie auf jeden Fall nochmal lesen, vor allem wenn der nächste Band dann mal endlich raus kommt. -.- blöde offene Enden… Ich muss zugeben, ich hab seeeehr viel von der tollen Story schon wieder vergessen.
    Solls übrigens auch als Serie von HBO geben. Ist soweit ich weiß fertig gedreht (1. Staffel) und kommt bald raus.

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  5. Ich hab doch gar nicht geschrieben, um welche Werke es sich handelt… woher also wisst ihr das denn dann? *grübel*

    Oh, und Ijen… Mit Kind in der Wohnung bei dem Wetter ist nicht möglich. Aber im Park kann man doch immer wieder mal ein paar Zeilen nebenher lesen. Und die Nächte sind ja auch noch da 😀

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  6. Da sterben noch Einige, Melli 😉 Ob sie zu deinen Sympathie-Trägern gehören, weiss man natürlich vorher nicht 🙂 Ich hab des öfteren eine Schnute gezogen. Was die Bücher aber in meinen Augen nur tausendfach besser gemacht hat.

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  7. Melli, mach dir wegen des Buches keine Gedanken. Bei Joel Rosenberg hats mit der Serie „Die Hüter der Flamme“ bis zum dritten Band gedauert bis endlich mal der Hauptheld des ganzen Buches verreckt ist.

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  8. Spooky, ich hatte gerade einen recht ähnlichen Gedankengang.

    Was wäre wenn ich eine Erwartungsabfrage bezüglich der ConQuest-Foto-CD-2010 im Forum starten würden. Es würde sicherlich die Qualität steigern, aber was wäre mit den Erwartungen? Leute die sich vorher garkeinen Kopf um die CD gemacht haben würden plötzlich eine gewisse Erwartungshaltung aufbauen.

    Ich leg mir die Messlatte gerne jedes Jahr ein wenig höher, aber würde die breite Mehrheit diese im Fall einer Umfrage ins unerreichbare hochtreiben? 🙂

    Gruß, Marc

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