Telling ist nicht immer schlecht…

Ich mag kein Telling…eigentlich. Ich versuche grundsätzlich Plots zu schreiben, in denen dies nicht notwendig ist.
Doch ich habe auch schon als Spieler die Erfahrung gemacht, dass Telling in manchen Situationen echt gut sein kann.
Doch dafür braucht es zwei Dinge: Die eigene gute Vorstellungskraft und Phantasie und auf der anderen Seite einen wirklich guten Erzähler.
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Mein Erlebnis ist inzwischen 4 Jahre her. Damals mit einer Gruppe Freunde auf einem Fantasycon der Heimatorga. Wir hatten irgendwelche wüsten Weltrettungs-Ideen. Typisches Larper-haben-komische-Ideen-Ding. Die SL ließ uns machen. Alle Ritualteilnehmer legten sich auf ein Stoppelfeld auf die Mäntel. Die Augen mussten geschlossen werden, alle nahmen sich an den Händen und los gings.
Das was folgte war eine meiner intensivsten Rollenspiel Erfahrungen. Mit viel beschreibenden Worten, einer klaren aber kühlen Stimme und ohne zu stocken, aber mit teilweise minutenlangen Pausen, erzählte uns eine SL etwas. Wir konnten agieren, durften uns aber nicht großartig rühren. Die Mit-SLs haben dabei körperliche Erfahrungen geliefert. Ich hatte Wasser im Nacken, Stroh an den Füßen und man zog an uns herum, damit wir uns aneinander festklammern mussten. Schwer zu beschreiben, so im Nachhinein, doch allen hats gefallen.
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Weiterhin habe ich gelernt, dass jede Erzählung nur so gut ist wie die Emotion die damit erschaffen wird. Ich kann schöne Szenarien mit Telling produzieren, doch ich muss mir Zeit nehmen. Ich muss etwas wissen über denjenigen, der den Traum empfängt.

Telling darf nichts spontanes sein, sondern eine Situationsbeschreibung von etwas, was nicht anders darstellbar ist. Es sollte nicht dazu dienen es der SL einfacher zu machen, sondern eher sie in ihrer Kreativität zu fordern. Mein liebstes Beispiel dazu ist zu sehen, wenn man jemandem erklären will wie sich ein Land anfühlt. Wie riecht es, wie schmeckt es?
Was nach meinen Überlegungen raus kam war die Ursache für meine “Materialiensuche” auf dem JDS. Warmes Wasser, Kaltes Wasser, ein Stück Gurke, Stroh, Erde, Lavendel, Stöcke, Federn usw….
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Jedes Telling braucht eine Einleitungsphase. Der Spieler muss Zeit haben sich in die Situation hinein zu finden.
Weiter braucht es einen Hauptteil, bei dem eine Handlung geschieht, diese muss natürlich einen Höhepunkt haben.
Schlussendlich muss der Spieler wieder aus der Situation herausgeführt werden.


Telling sollte sein wie eine Phantasiereise!

Nur ob man danach entspannt, gespannt oder ängstlich ist, dass steht auf einem anderen Blatt.

Vor 4 Jahren haben wir gezittert. Und es war nicht kalt!

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2 Gedanken zu “Telling ist nicht immer schlecht…

  1. Vor etwas mehr als 4 Jahren hatte ich auch ein interessantes Telling-Erlebnis…
    Wir waren im Wald unterwegs, haben uns gerade zurueckgezogen um ins Lager zurueck zu gehen, da kam die SL zu mir und meinte „Der Wald brennt!“ Es war Nacht, die SL hatte eine Fackel in der Hand und ich als Pfadfinderin sah mich erstmal panisch um und habe mich gefragt wo diese verdusselte SL jetzt den Wald angesteckt hat… Es war nirgendwo ein flaemmchen zu sehen. Also sah ich die SL verwirrt an und fragte nur „Wo?“
    Es kam die genervte Antwort „Direkt vor dir, die Flammen lecken schon an deinem Umhang…“ Wieder sah ich mich verwirrt um, von Flammen war weit und breit nichts zu sehen. Noch verwirrter sah ich die SL an und fragte wieder „Wo? Ich kann keine Flammen sehen…“
    Die SL seufzte entnervt. „Mittlerweile brennt dein Umhang… Ich will den Wald und dich nicht richtig anstecken, also stell es dir einfach vor…!“ Da ging mir dann das Licht auf…
    Es war halt mein erstes LARP, irgendwann mitten in der Nacht und ich war geringfuegig uebermuedet… Im Nachhinein fand ich die Situation sehr lustig, vor allem das Gesicht der SL… 🙂

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